
Anpassung des Wohnraums für die 24-Stunden-Pflege: Barrierefreiheit & Hilfsmittel
Die Anpassung des Wohnraums ist eine der wichtigsten Voraussetzungen, damit eine 24-Stunden-Pflege zu Hause sicher und würdevoll funktionieren kann. Ein barrierefreies Wohnumfeld erleichtert nicht nur den Alltag der pflegebedürftigen Person, sondern entlastet auch die Pflegekraft. Durch gezielte Umbauten und den Einsatz sinnvoller Pflegehilfsmittel lassen sich Stürze vermeiden, Schmerzen reduzieren und die Selbstständigkeit deutlich verlängern.
Wer eine 24-Stunden-Betreuung im eigenen Zuhause organisieren möchte, sollte daher frühzeitig prüfen, wie barrierefrei die Wohnung oder das Haus bereits ist – und wo Anpassungen notwendig sind.
Warum Barrierefreiheit für die 24-Stunden-Pflege so wichtig ist
Eine barrierefreie Wohnung reduziert Risiken wie Stürze auf Treppen, im Bad oder auf rutschigen Böden deutlich. Gleichzeitig ermöglicht sie der 24-Stunden-Pflegekraft, alle Pflegehandlungen ergonomisch und ohne eigene gesundheitliche Überlastung durchzuführen. Besonders bei Demenz, Schlaganfall, Parkinson oder starker Gehbehinderung ist eine angepasste Umgebung entscheidend, um Orientierung zu geben und Unfälle zu vermeiden.
Typische Ziele der Wohnraumanpassung für die 24-Stunden-Pflege sind:
- Mehr Sicherheit im Alltag
- Höhere Mobilität in der eigenen Wohnung
- Entlastung der Pflegekraft durch kurze Wege und gute Arbeitsbedingungen
- Längeres Wohnen im eigenen Zuhause statt Heimunterbringung
Zentrale Bereiche der Wohnraumanpassung im Überblick
Für eine 24-Stunden-Pflege im häuslichen Umfeld sollten vor allem diese Bereiche überprüft und bei Bedarf angepasst werden:
- Eingangsbereich und Flur
- Wohn- und Schlafzimmer
- Badezimmer und Toilette
- Küche
- Treppen und Übergänge (innen und außen)
Jeder dieser Bereiche weist typische Gefahrenquellen auf – und bietet gleichzeitig viele Möglichkeiten zur Verbesserung der Barrierefreiheit.

Eingangsbereich & Flur: Stolperfallen entschärfen
Im Eingangsbereich und Flur sollten Wege breit, gut beleuchtet und frei von Hindernissen sein. Das erleichtert den Einsatz von Rollator oder Rollstuhl und sorgt für Sicherheit bei nächtlichen Wegen. Auch die 24-Stunden-Pflegekraft profitiert von ausreichend Bewegungsfreiheit und klaren Strukturen.
Wichtige Maßnahmen im Flur und Eingangsbereich:
- Entfernung von Teppichen und Läufern, die zur Stolperfalle werden können
- Schwellen reduzieren oder mit kleinen Rampen überbrücken
- Helle, blendfreie Beleuchtung – ideal mit Bewegungsmeldern
- Haltegriffe oder Handläufe an längeren Fluren und im Treppenbereich
- Ausreichende Türbreiten (für Rollstuhl/Rollator mindestens ca. 80–90 cm)
Wohn- und Schlafzimmer: Pflegebett & sichere Wege
Das Schlafzimmer ist bei einer 24-Stunden-Pflege häufig der zentrale Pflegeort. Hier ist ein gut platziertes Pflegebett und ausreichend Bewegungsfläche entscheidend, damit Transfers, Lagerungen und pflegerische Tätigkeiten sicher durchgeführt werden können.
Empfehlungen für Schlafzimmer und Wohnbereich:
- Pflegebett mit Höhenverstellung
- Erleichtert Transfers, z. B. in den Rollstuhl
- Entlastet die Pflegekraft beim Lagern und bei der Körperpflege
- Seitengitter bei Sturzgefahr, ggf. mit Aufsteh-Hilfen
- Genügend Platz um das Bett herum, damit von beiden Seiten gepflegt werden kann
- Nachttisch in Griffweite mit Lichtschalter, Telefon und Notrufsystem
- Rutschfester Bodenbelag (kein hochfloriger Teppich, keine losen Läufer)
- Gute Beleuchtung mit Nacht- und Orientierungslicht
Im Wohnbereich sind stabile Sessel und Stühle mit Armlehnen und erhöhter Sitzfläche sinnvoll, um das Hinsetzen und Aufstehen zu erleichtern. Kabel sollten ordentlich verlegt, Teppiche gesichert oder komplett entfernt werden, um Stürze zu vermeiden.

Bad & WC: Barrierefreie Badgestaltung für mehr Sicherheit
Das Badezimmer ist einer der riskantesten Bereiche in der Wohnung. Eine barrierearme oder barrierefreie Badausstattung schützt vor Stürzen und erhält die Selbstständigkeit bei der Körperpflege. Für eine 24-Stunden-Pflege zu Hause ist ein sicheres Bad ein zentraler Baustein.
Typische Maßnahmen im Bad:
- Ebenerdige Dusche (bodengleich) statt hoher Duschtasse oder Badewanne
- Duschsitz oder Klappsitz in der Dusche
- Stabile Haltegriffe an Dusche, WC und Waschbecken
- Rutschfeste Bodenbeläge oder Antirutschmatten
- Erhöhte Toilette oder Toilettenaufsatz zur Erleichterung des Hinsetzens
- Ausreichend Platz für Rollator oder Duschrollstuhl
- Gut erreichbare, leicht bedienbare Armaturen (Hebelmischer statt Drehknöpfe)
Wenn ein kompletter Badumbau nicht möglich ist, helfen auch kleinere Anpassungen wie mobile Duschhocker, Badewannenlifter, aufsteckbare Haltegriffe oder ein Toilettenstuhl als Übergangslösung im Schlafzimmer.

Küche: Alltag erleichtern, Unfälle vermeiden
In der Küche geht es vor allem um sichere Handhabung und kurze Wege. Je nach Mobilität und kognitiven Fähigkeiten der pflegebedürftigen Person können Anpassungen sinnvoll sein, um einfache Tätigkeiten weiterhin selbst zu übernehmen – oder um die Nutzung der Küche auf ein sicheres Minimum zu begrenzen.
Mögliche Anpassungen in der Küche:
- Arbeitsflächen und häufig genutzte Schränke in erreichbarer Höhe
- Rutschfeste Unterlagen und standsichere Elektrogeräte
- Herd mit Abschaltautomatik oder Herdwächter, besonders bei Demenz
- Gut lesbare Beschriftungen und große, einfache Bedienelemente
- Möglichst freie Wege, um Sturzrisiken zu vermeiden
Wichtige Hilfsmittel für die 24-Stunden-Pflege zu Hause
Neben baulichen Maßnahmen spielen Pflegehilfsmittel eine große Rolle bei der Wohnraumanpassung für die 24-Stunden-Pflege. Sie unterstützen sowohl die pflegebedürftige Person als auch die Pflegekraft im Alltag und können körperliche Belastungen deutlich reduzieren.
Mobilität & Transfer:
- Rollator, Rollstuhl, Gehstöcke
- Aufsteh- und Umsetzhilfen, Rutschbretter, Gleitmatten
- Lifter (Decken- oder Mobil-Lifter) bei stark eingeschränkter Mobilität
Pflegebett & Lagerung:
- Elektrisches Pflegebett mit Höhenverstellung
- Antidekubitusmatratze zur Vorbeugung von Druckgeschwüren
- Lagerungskissen, Keilkissen, Bettgalgen / Aufrichthilfe
Körperpflege & Hygiene:
- Duschstuhl oder -hocker
- Toilettenstuhl oder Toilettensitzerhöhung
- Waschschüsseln, Pflegewagen, Einmalhandschuhe, Desinfektionsmittel
Sicherheit & Orientierung:
- Notrufsysteme (Hausnotruf, mobile Notrufknöpfe)
- Nachtlichter und Orientierungslichter im Flur und Bad
- Beschilderung bei Demenz (Piktogramme, große Schrift, farbliche Markierungen)
Die Auswahl der Hilfsmittel sollte immer individuell erfolgen – je nach Pflegegrad, Mobilität und den räumlichen Gegebenheiten.
Finanzierung & Förderung der Wohnraumanpassung
Viele Maßnahmen zur barrierefreien Wohnraumanpassung können finanziell unterstützt werden. In Deutschland gibt es beispielsweise Zuschüsse der Pflegekassen für sogenannte „wohnumfeldverbessernde Maßnahmen“, deren Höhe vom Pflegegrad und vom Umfang der Umbauten abhängt. Hinzu kommen je nach Situation Förderprogramme, Kredite oder Zuschüsse, etwa über die KfW oder regionale Programme.
Mögliche Finanzierungsquellen (Deutschland als Beispiel):
- Pflegekasse (wohnumfeldverbessernde Maßnahmen)
- KfW-Förderprogramme für altersgerechtes Umbauen
- Regionale Förderprogramme von Bundesländern oder Kommunen
- Gegebenenfalls steuerliche Absetzbarkeit bestimmter Umbaukosten
Es lohnt sich, frühzeitig Kontakt zu Pflegestützpunkten, Wohnberatungsstellen oder der Pflegeberatung der Krankenkasse aufzunehmen, um Fördermöglichkeiten prüfen und Anträge korrekt stellen zu können.
Professionelle Wohnraumberatung als Teil der 24-Stunden-Pflege
Für eine optimale Anpassung des Wohnraums ist eine individuelle Wohnraumberatung vor Ort sehr hilfreich. Fachleute analysieren die Mobilität und den Pflegebedarf der betroffenen Person, die baulichen Gegebenheiten sowie die Anforderungen der 24-Stunden-Pflegekraft. Auf dieser Basis entsteht ein konkreter Maßnahmenplan für Umbauten und den Einsatz von Hilfsmitteln.
Viele Anbieter von 24-Stunden-Betreuung arbeiten mit solchen Beratungsstellen zusammen oder bieten selbst Unterstützung bei der Planung des Wohnraums. So können Angehörige gezielt entlastet werden und haben einen kompetenten Ansprechpartner für Fragen zu Barrierefreiheit, Sicherheit und Finanzierung. Eine gut geplante Wohnraumanpassung ist ein Invest in mehr Lebensqualität und Pflegekomfort.
Fazit: Barrierefreier Wohnraum als Basis für gelungene 24-Stunden-Pflege
Eine gut durchdachte Wohnraumanpassung ist die Grundlage für eine sichere und würdevolle 24-Stunden-Pflege zu Hause. Barrierefreiheit, passende Hilfsmittel und eine klare Struktur in der Wohnung erleichtern den Alltag für alle Beteiligten. Die pflegebedürftige Person gewinnt an Lebensqualität und Selbstständigkeit, die Pflegekraft kann professionell und rückenschonend arbeiten, und Angehörige werden spürbar entlastet.
Zusammengefasst gilt:
- Gefahrenquellen erkennen und beseitigen
- Bad, Schlaf- und Wohnbereich an die Pflegesituation anpassen
- Sinnvolle Pflegehilfsmittel gezielt einsetzen
- Fördermöglichkeiten prüfen und nutzen
- Bei Bedarf professionelle Wohnraumberatung einholen
FAQs zum Thema Wohnraumanpassung bei der 24-Stunden-Pflege
Wann sollte die Wohnraumanpassung für eine 24-Stunden-Pflege geplant werden?
Idealerweise beginnt die Planung der Wohnraumanpassung, sobald absehbar ist, dass eine 24-Stunden-Pflege zu Hause notwendig wird. Je früher Gefahrenquellen erkannt und beseitigt werden, desto sicherer ist der Übergang von der bisherigen Versorgung zur Rund-um-die-Uhr-Betreuung. Kurzfristige Lösungen sind zwar möglich, führen aber oft zu Kompromissen, die langfristig weder für die pflegebedürftige Person noch für die Pflegekraft optimal sind.
Welche Bereiche der Wohnung sind bei der Barrierefreiheit am wichtigsten?
Besonders kritisch sind Flur und Eingangsbereich, das Badezimmer, das Schlafzimmer sowie Treppen und Türschwellen. In diesen Bereichen kommt es am häufigsten zu Stürzen und gefährlichen Situationen. Wenn das Budget begrenzt ist, sollten zuerst genau diese Zonen analysiert und mit einfachen Maßnahmen verbessert werden.
Wer hilft bei der Auswahl der richtigen Pflegehilfsmittel?
Pflegeberatung, Hausärzte, Physiotherapeuten und Sanitätshäuser können Empfehlungen zu passenden Hilfsmitteln geben. Zusätzlich bieten viele Pflegedienste und Anbieter von 24-Stunden-Pflege eine individuelle Beratung vor Ort an. Gemeinsam lässt sich klären, welche Hilfsmittel wirklich notwendig sind und welche über die Pflegekasse verordnet oder bezuschusst werden können.
Wie finden wir heraus, ob es finanzielle Unterstützung für Umbauten gibt?
Ein erster Ansprechpartner sind die Pflegekassen, die über Zuschüsse für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen informieren. Darüber hinaus lohnt sich ein Gespräch mit Pflegestützpunkten, Wohnberatungsstellen oder Sozialverbänden, die regionale Förderprogramme kennen. Oft ist es sinnvoll, Kostenvoranschläge und einen Maßnahmenplan vorzulegen, um die Chancen auf Bewilligung zu erhöhen.
Lohnt sich eine Wohnraumanpassung auch bei fortgeschrittener Pflegebedürftigkeit noch?
Ja, in vielen Fällen kann eine gezielte Wohnraumanpassung auch bei hoher Pflegebedürftigkeit die Sicherheit deutlich erhöhen und Pflegeabläufe vereinfachen. Ein Pflegebett, rutschfeste Bodenbeläge oder Haltegriffe sind gerade dann besonders wichtig. Gleichzeitig kann eine gut angepasste Wohnung dazu beitragen, einen Heimaufenthalt hinauszuzögern oder ganz zu vermeiden und die 24-Stunden-Pflege zu Hause langfristig zu sichern.
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