Palliative Versorgung zu Hause

Zuhause sein bedeutet Geborgenheit.
Denn gerade in der letzten Lebensphase wünschen sich viele Menschen nichts mehr, als in
ihrer vertrauten Umgebung zu bleiben – umgeben von den Menschen, die ihnen wichtig
sind. Eine liebevolle 24-Stunden-Betreuung kann dabei wertvolle palliative Versorgung zu Hause leisten,
Angehörige entlasten und dazu beitragen, dass Lebensqualität, Würde und
Selbstbestimmung möglichst lange erhalten bleiben.“

Dorota Weindl & Vanessa Weindl
Pflege-Institut Weindl


Warum eine 24-Stunden-Betreuung in der palliativen Versorgung sinnvoll ist


Die meisten Menschen wünschen sich, ihre letzte Lebensphase im eigenen Zuhause verbringen zu können. Auch das Ziel der ambulanten Palliativversorgung ist es, schwerkranken Menschen ein Leben bis zuletzt in ihrer vertrauten Umgebung zu ermöglichen. Dabei stehen Lebensqualität, Symptomlinderung und die Wünsche des Betroffenen im Mittelpunkt.

Dabei 24-Stunden-Betreuung kann eine wichtige Ergänzung zu Hausarzt, SAPV-Team, ambulanten Pflegediensten und Hospizdiensten sein. Sie übernimmt keine medizinischen Aufgaben. Stattdessen sorgt sie für kontinuierliche Anwesenheit, Sicherheit und menschliche Begleitung im Alltag.

Vorteile einer 24-Stunden-Betreuung für Palliative Versorgung zu Hause

  • Verbleib in der vertrauten häuslichen Umgebung
  • Entlastung von Angehörigen – auch nachts
  • Kontinuierliche Betreuung durch eine feste Bezugsperson
  • Unterstützung bei der Grundpflege und Mobilität
  • Gesellschaft und emotionale Begleitung
  • Unterstützung bei Mahlzeiten und Flüssigkeitsaufnahme
  • Hilfe im Haushalt und bei alltäglichen Aufgaben
  • Schnelle Reaktion auf Veränderungen des Befindens
  • Enge Zusammenarbeit mit Ärzten, Pflegediensten und Palliativteams

v. l. Dorota Weindl (Geschäftsführerin der Pflege-Institut Weindl GmbH), Svenja Schuller (Palliative Care
Pflegefachkraft), Dr. med. Ursula Vehling-Kaiser (Fachärztin für Innere Medizin Hämatologie und Onkologie),
Vanessa Weindl (Geschäftsführerin der Pflege-Institut Weindl GmbH)

Susanne Haberl (Palliative Care Pflegefachkraft) und Dr. med. Ursula Vehling-Kaiser (Fachärztin für Innere
Medizin Hämatologie und Onkologie)


Expertenmeinung: Frau Dr. Vehling-Kaiser


Als erfahrene Onkologin und Expertin der ambulanten Palliativversorgung begleitet Frau Dr. Fehling-Kaiser seit vielen Jahren schwerkranke Menschen und deren Angehörige.

„Die palliative Versorgung lebt von einem starken Netzwerk. Neben Ärzten, SAPV-Teams, Pflegediensten und Hospizbegleitern kann eine 24-Stunden-Betreuung einen wichtigen Beitrag leisten. Sie schafft Sicherheit, Kontinuität und persönliche Nähe – besonders dann, wenn Angehörige nicht rund um die Uhr vor Ort sein können.“

Über die Chancen und Herausforderungen der Spezialisierten Ambulaten Palliativversorgung (SAPV) sprachen wir mit Dr. med. Ursula Vehling-Kaiser, Fachärztin für Innere Medizin, Hämatologie, Onkologie und Palliativmedizin. Sie leitet das MVZ für Hämatologie und Onkologie in Landshut.

Welche Grundsätze leiten Sie in der Begleitung schwerkranker oder sterbender Menschen?

Wir begegnen jedem Menschen mit Respekt und Würde – unabhängig vom Krankheitsstadium. Viele erleben, dass sie sich durch ihre Erkrankung ausgegrenzt fühlen. Umso wichtiger ist es, ihnen zu zeigen, dass sie weiterhin wertvoll sind. Unsere Aufgabe ist es, diese Würde zu schützen und zu vermitteln: „Du bleibst ein vollständiger Mensch, egal wie krank du
bist.“

Was unterscheidet Palliativmedizin von klassischer Onkologie?
Während die Onkologie auf Heilung und Tumorrückbildung zielt, stellt die Palliativmedizin das Wohlbefinden in den Mittelpunkt. Sie beginnt nicht erst am Lebensende, sondern kann schon früh eingesetzt werden, wenn Heilung nicht mehr möglich ist. Dann geht es darum, Symptome zu lindern, Ängste zu nehmen und Lebensqualität zu erhalten – oft über viele Monate oder Jahre. Viele verbinden Palliativmedizin mit dem „Lebensende“.

Wie erklären Sie, dass es um Lebensqualität geht – nicht nur um Sterbebegleitung?
Wir erklären unseren Patientinnen und Patienten, dass Palliativmedizin bedeutet, besser zu leben – nicht schneller zu sterben. Schmerzen und andere Beschwerden lassen sich meist gut kontrollieren, sodass weiterhin aktive Teilhabe möglich bleibt. Ehrlichkeit ist entscheidend: Wir sprechen offen über Prognosen, aber auch darüber, was möglich ist. Das schafft Vertrauen und
Mut.

Wie hat sich die Palliativversorgung in den letzten Jahren entwickelt – und welche Versorgungsmöglichkeiten gibt es heute?
Es gibt heute deutlich mehr Strukturen. Neben Palliativstationen und Hospizen hat sich die ambulante Versorgung stark entwickelt. Die SAPV-Teams bestehen aus speziell geschulten Pflegekräften, die Menschen zu Hause betreuen. Neu hinzugekommen sind Tageshospize – sie bieten Betreuung tagsüber, beugen soziale Isolation vor und entlasten Angehörige.

Welche Unterstützung brauchen Angehörige, wenn sie einen Pflegebedürftigen zu Hause begleiten?
Angehörige tragen eine enorme Verantwortung – körperlich, emotional und organisatorisch. Sie brauchen Anleitung, verlässliche Erreichbarkeit und konkrete Entlastung. Die ständige Sorge, etwas falsch zu machen, belastet sehr. Eine strukturierte 24-Stunden-Betreuung gibt Sicherheit und schafft Freiräume, damit Angehörige wieder Partner, Kinder oder Freunde sein können – nicht nur Pflegende.

Wie gestaltet sich eine palliative Versorgung zu Hause – und welche Rolle spielen Ärzte, SAPV und 24-Stunden-Betreuungskräfte?
Am Anfang steht eine genaue Einschätzung: Denn welche Unterstützung ist notwendig? Welche Hilfsmittel sind vorhanden und was fehlt? Dann folgt die enge Zusammenarbeit von SAPV, Hausarzt, Pflegedienst und – wo sinnvoll – einer 24-Stunden-Betreuungskraft. Diese sorgt für Konstanz im Alltag, übernimmt hauswirtschaftliche und begleitende Aufgaben und schafft
Sicherheit und Geborgenheit im Zuhause.

Welche Rolle wird die häusliche 24-Stunden-Betreuung künftig in der palliativen Begleitung spielen?
Palliativen Begleitung spielt eine immer wichtigere Rolle. Denn die Demografie und Fachkräftemangel verstärken die Versorgungslücken. Daher ist es besonders in ländlichen Regionen wichtig. Gut geschulte 24-StundenBetreuungskräfte, die eng mit SAPV-Teams kooperieren, ermöglichen kontinuierliche
Begleitung. Das ist menschlich und ökonomisch sinnvoll und entspricht dem Wunsch vieler Menschen, zu Hause zu bleiben.

Wie kann die Zusammenarbeit mit dem Pflege-Institut Weindl die palliative Versorgung sinnvoll ergänzen?
Das Pflege-Institut Weindl steht für Menschlichkeit, Nähe und Verlässlichkeit. Also Werte, die zur Palliativmedizin passen. Wenn professionelle Pflege, 24-Stunden-Betreuung und SAPVTeams klar kommunizieren, Abläufe abstimmen und gegenseitig erreichbar sind, entsteht eine stabile Versorgung zu Hause – zum Wohl von Patient und Angehörigen.


Aufgaben einer 24-Stunden-Betreuung in der palliativen Versorgung

Unsere Betreuungskräfte übernehmen keine medizinische Behandlungspflege. Diese erfolgt weiterhin durch Ärzte, Pflegedienste oder SAPV-Teams.
Die Betreuungskräfte unterstützen insbesondere bei:

Persönliche Betreuung

  • Gesellschaft leisten
  • Gespräche führen
  • Vorlesen
  • Gemeinsame Spaziergänge
  • Aktivierende Begleitung

Unterstützung im Alltag

  • Zubereitung von Mahlzeiten
  • Getränke bereitstellen
  • Einkäufe organisieren
  • Haushaltsführung
  • Wäschepflege

Hilfe bei der Grundpflege

  • Unterstützung beim Waschen
  • Hilfe beim An- und Auskleiden
  • Unterstützung beim Toilettengang
  • Hilfe bei Mobilität und Transfers

Entlastung der Angehörigen

  • Anwesenheit und Betreuung
  • Nachtbereitschaft im Rahmen der Möglichkeiten
  • Unterstützung bei organisatorischen Aufgaben
  • Vermittlung zwischen Familie und Versorgungsnetzwerk

Zusammenarbeit im Versorgungsnetz

  • Hausärzte
  • Palliativmediziner
  • SAPV-Teams
  • Ambulante Pflegedienste
  • Hospizdienste
  • Therapeuten
  • Angehörige

Gerade in der palliativen Versorgung entsteht die beste Betreuung durch das Zusammenspiel aller Beteiligten. Die 24-Stunden-Betreuung ergänzt dieses Netzwerk und trägt dazu bei, dass Betroffene möglichst lange zuhause bleiben können.


Gemeinsam für ein würdevolles Leben zuhause

Jeder Mensch hat individuelle Wünsche und Bedürfnisse. Deshalb entwickeln wir gemeinsam mit Angehörigen, Ärzten, Pflegediensten und Palliativteams eine passende Betreuungslösung.
Außerdem ist es unser Ziel, schwerkranken Menschen Geborgenheit, Sicherheit und menschliche Nähe in ihrer vertrauten Umgebung zu ermöglichen – und Angehörige in dieser herausfordernden Zeit spürbar zu entlasten.

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